DE - Asthma 2016

 

Engegefühl in der Brust, eine eingeschränkte Atmung, Luftnot und Husten erschweren Asthma-Patienten den Alltag.

In einer Pilotstudie untersuchten die New Yorker Osteopathen Bockenhauer et al. die unmittelbaren Effekte eines einmaligen osteopathisch manipulativen Prozedere im Vergleich mit einer einzelnen Sham-Behandlung auf objektive und subjektive Parameter von chronischem Asthma.

10 weibliche Probanden im Alter zwischen 35 und 59 Jahren nahmen an der Studie im prä-/ posttest-Crossover-Design teil, in der jede Probandin als ihr eigenes Kontrollsubjekt diente.

In zufälliger Reihenfolge erhielten die Patientinnen entweder zuerst die OMT- oder die Sham-Behandlung, in einem Abstand von mindestens einer Woche.

Die osteopathisch manipulativen Techniken aus dem OMT beinhalteten:

  1. BLT (balanced ligamentous tension) in den atlantookzipitalen und zervikothorakalen Übergängen
  2. Still’s Technik für eine kranial stehende („upward displacement“) 1. Rippe
  3. Direkte Release-Technik für die unteren Rippen in Exspirations-Restriktion
  4. Diaphragma Release.

 

Die Sham-Behandlung bestand aus einem sanften manuellen Druck auf die obere Thoraxapertur , die atlantookzipitalen und zervikothorakalen Übergänge sowie auf das Epigastrium.

Innerhalb von 15 min vor und nach der Behandlung wurde die obere und untere Ausdehnung des Thorax bei forcierter Atmung gemessen und die PEF (peak expiratory flow= exspiratorische Spitzenflussgeschwindigkeit) mit einem Hand-Peak-Flow-Meter ermittelt. Zusätzlich füllten die Patienten eine visuelle Analogskala (VAS) aus, die abfragte, wie die Atmung aktuell ist (0 = „Tiefes Luftholen fällt mir leicht. Meine Atmung fühlt sich frei und uneingeschränkt an.“ bis 10 = „Ich kann nicht tief einatmen. Meine Atmung fühlt sich eingeengt an und meine Brust fühlt sich gepannt an.“).

Auffällig war, dass alle Patientinnen von vornherein eine sehr geringe obere und untere Ausdehnung der Brustwand während der Atmung aufwiesen. Nach der OMT- Behandlung verbesserte sich die Ausdehnung im Vergleich zur Sham- Behandlung jedoch signifikant (obere Beweglichkeit p= 0,002, untere Beweglichkeit p= 0,01). Im Mittel betrug die Veränderung nur 0,9cm im oberen Thorax und 0,8 cm im unteren Brustkorb, was jedoch bei einer ohnehin wenig beweglichen Thoraxwand bereits für eine klinische Relevanz in der Verbesserung des Symptomes „Engegefühl“ sprechen kann. Die Ergebnisse zeigten sich unabhängig von der Reihenfolge der Behandlungen.

Interessanterweise verschlechterte n sich die PEF-Werte sowohl nach der OMT-Behandlung wie auch nach der Sham-Behandlung. Die Autoren spekulieren über negative Effekte der liegenden Position bzw. die fehlende Übung im Umgang mit dem Peak-Flow-Meter und diskutieren sogar eine geringere Motivation in das Gerät zu atmen, wenn die Atmung leichter fällt.

Die Patienten berichteten sowohl nach der OMT- als auch nach der Sham-Behandlung von einer Erleichterung des Atmens auf der VAS.

Die Ergebnisse zeigen einen positiven Effekt bestimmter Techniken aus dem OMT auf die Ausdehnung des Thorax während der Atmung sowie auf das subjektive Empfinden der eigenen Atmung bei Patientinnen mit chronischem Asthma.

 

Referenz: Bockenhauer SE, Julliard KN, Lo KS, Huang E, Sheth AM. Quantifiable effects of osteopathic manipulative techniques on patients with chronic asthma. The Journal of the American Osteopathic Association, July 2002, Vol. 102, 371-375.

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