DE-83-Reizdarm-Vorschau

 

60% aller Patienten mit Reizdarmsyndrom (RDS) leiden unter einer besonderen Schmerzempfindlichkeit im Bereich des Darms, hinzu kommen weitere Symptome wie Blähbauch, Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen.

Seit den frühen Erkenntnissen von A. T. Still werden direkte Palpation, Diagnostik und Behandlung der Viszera bei Patienten angewandt. 2012 deckten Florance et al.1 in einer Untersuchung auf, dass eine viszerale Behandlung im Vergleich zu einer Massagetherapie deutlich positivere Effekte auf subjektive Parameter wie Lebensqualität und die Schwere der RDS- Symptomatik (IBS-Severity- Score) hatte.

Attali und Kollegen2 führten 2013 eine randomisierte Crossoverstudie zur gleichen Thematik durch, mit den zusätzlichen objektiven Messgrößen der rektalen Sensitivität und der Kolon Transitzeit. An dieser Studie nahmen 31 Patienten mit Reizdarm-Syndrom teil, die in vierzehntägigem Abstand entweder zuerst drei Sitzungen Massagetherapie erhielten und danach drei viszerale Behandlungen (Gruppe A) oder in umgekehrter Reihenfolge (Gruppe B). Die Behandlung bestand vor allem aus globalen und lokalen Vibrationstechniken auf den viszeralen Gebieten, die sich bei der Palpation besonders schmerzempfindlich zeigten.

Nach der Massagetherapie berichteten die Patienten der Gruppe A ein verringertes Aufgeblähtsein (p = 0,026) und weniger abdominelle Schmerzen (p = 0,001). Nach der viszeralen Behandlung berichteten die Patienten zudem von einer Verbesserung der Diarrhoe (p = 0,036), der abdominellen Aufblähung (p = 0,002) und Bauchschmerzen (p = 0,003). Teilnehmer der Gruppe B zeigten eine Verbesserung folgender Symptome nach der viszeralen Behandlung: Obstipation (p = 0,022), Diarrhoe (p = 0,016), abdominelle Distension (p = 0,001) und Schmerzen (p = 0,005). In der gleichen Gruppe wurde nach der Massagetherapie keine weitere Verbesserung der Symptome festgestellt. Die Crossover- Analyse deckte eine selbsteingeschätzte Reduktion in Bezug auf Durchfall (p = 0,016), Blähbauch (p = 0,043) und Bauchschmerzen (p = 0,013) nach der viszeralen Behandlung auf. In der Follow-up-Untersuchung nach einem Jahr berichteten die Teilnehmer von einer anhaltenden Verbesserung von Diarrhoe (p = 0,029), Aufgeblähtsein (p = 0,001) und Bauchschmerzen (p< 0,001).

Die viszerale Behandlung verbesserte zudem die rektale Schmerzempfindlichkeit (p < 0,05), während die Massagetherapie allein keinen signifikanten Effekt zeigte. Auf die Kolon Transitzeit konnte die viszerale Behandlung allerdings auch keinen statistisch signifikanten Einfluss nehmen.

Die Studie von Attali unterstützt damit die vorangegangene Forschung, die zeigte, dass Patienten mit Reizdarmsyndrom von viszeraler Osteopathie profitieren können.

 

Referenz: Seffinger, MA et Halbeisen, A . G.I. Joe: Could Visceral Osteopathy Help Fight the War against IBS. The Journal of the American Osteopathic Association, May 2014, Vol. 114, 408-409. doi:10.7556/jaoa.2014.079

1 Florance BM, Frin G, Dainese R, et al. Osteopathy improves the severity of irritable bowel syndrome: a pilot randomized sham-controlles study. Eur J Gastroenterol Hepatol. 2012;24(8):944-949. Doi:10.1097/MEG.0b013e3283543eb7.

2 Attali TV, Bouchoucha M, Benamouzig R. Treatment of refactory irritable bowel syndrome with visceral osteopathy: short-term and long-term results of a randomized trial. J Dig Dis. 2013;14(12);654-661. Doi:10.1111/1751-2980.12098

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert